Ausstellung: Le Charme discret de la dictature

22. Oktober 2026

Eine Ausstellung in der Refo Moabit vom 31. Oktober bis 26. November 2026

„Le Charme discret de la dictature“ ist eine bewusste Anspielung auf Luis Buñuels Film „Le Charme discret de la bourgeoisie“. Die Ausstellung entsteht vor dem Hintergrund des brutalen imperialistischen Krieges Russlands gegen die Ukraine und einer breiteren Rückkehr autoritärer, populistischer und  gesellschaftlich spaltender Ideen in Europa.

Was macht Diktatur wieder attraktiv? Warum übernehmen Menschen freiwillig ihre Symbole, ihre Sprache und ihre Rituale? Und warum kehrt die Ästhetik der Diktatur – von monumentalen Bildern und Masseninszenierungen bis hin zu modernen Medien, Technologien und politischem Kitsch – immer wieder in unsere Gegenwart zurück?

Hintergründe

Im Zentrum des Projekts stehen Diktatur und Autoritarismus nicht nur als historische politische Systeme, sondern auch als ästhetische und psychologische Modelle. Durch Ironie, Absurdität und die Konfrontation völlig unterschiedlicher künstlerischer Positionen untersucht die Ausstellung, warum diese Modelle im 21. Jahrhundert erneut an Aktualität gewinnen, was sie attraktiv macht und warum Gesellschaften wieder empfänglich für einfache Antworten, starke Führung und archaische Ordnungsmodelle werden.

Diktatur in der heutigen Welt ist nicht nur ein historisches Erbe der Sowjetunion und des nationalsozialistischen Deutschlands. Sie bezeichnet auch ganz reale politische Systeme der Gegenwart: kommunistische Diktaturen, religiöse Diktaturen und autoritäre Staaten, die heute in verschiedenen Teilen der Welt existieren.

In demokratischen Gesellschaften entstehen eigene Mechanismen der Machtkonzentration: oligarchische Strukturen, Medienimperien, Technologiekonzerne, Informationsmonopole und Algorithmen, die bestimmen können, was Millionen von Menschen sehen, lesen und für Realität halten. Die Ausstellung fragt, wo die Grenze zwischen wirtschaftlicher Macht, Kontrolle über Informationen und politischer Macht verläuft – und ob Demokratie nicht nur von außen, sondern auch von innen bedroht sein kann.

Der gegenwärtige Krieg, hervorgegangen aus Ressentiment, imperialen Vorstellungen und revisionistischen Ambitionen, ist Teil dieses umfassenderen Prozesses. In vielen Ländern gewinnen unter dem Einfluss von Propaganda und Technologiekonzernen populistische Bewegungen an Stärke, die sich nicht selten auf archaische Bilder und Mythen der Vergangenheit berufen. Für eine Generation, die keine eigene Erfahrung mit dem Leben unter einem autoritären System hat, existieren diese Ideen zunehmend vor allem als visuelle und emotionale Bilder, die in den sozialen Medien zirkulieren.

Die Künstler:innen und die Politik

Die Ausstellung vertritt bewusst keine einheitliche politische Position. Ihre Teilnehmer vertreten unterschiedliche politische Ansichten. Was sie verbindet, ist jedoch keine gemeinsame Ideologie, sondern ihre Verbundenheit mit demokratischen Prinzipien und die Überzeugung, den Raum einer freien Gesellschaft verteidigen zu müssen.

Jeder der beteiligten Künstler definiert die Gefahren für die Demokratie auf eigene Weise. Für die einen ist es ein autoritärer Staat, der einen Krieg entfesselt hat, die Rückkehr der Geister der Vergangenheit, von Revisionismus und Ressentiment; für andere eine radikale Ideologie; für wieder andere die Konzentration von Kapital und Macht in den Händen weniger; für andere wiederum die Manipulation durch Information und Technologie. Entsprechend unterschiedlich fallen auch die künstlerischen Antworten auf diese Gefahren aus.

Eine weitere Linie der Ausstellung beschäftigt sich mit der Instrumentalisierung kultureller, historischer und religiöser Symbole durch politische Macht. Dabei ist die Kirche selbst nicht Gegenstand der Kritik. Im Gegenteil: Der Ort der Reformationskirche gewinnt gerade durch seine Geschichte und seine Funktion eine besondere Bedeutung.

An der Ausstellung beteiligen sich Nina E. Schönefeld, Boris Eldagsen, Jan Kuck, Bernhard Draz, The Tiger Lillies, Katerina Stefanovskaja, Lisa Schmitz, Philippenzo und Bardolim & Voronza.

Die Arbeiten bewegen sich in unterschiedlichen künstlerischen Registern – von Video und Fotografie über Installationen und Objekte bis hin zu Musiktheater und räumlichen Interventionen. Sie ergeben keine einheitliche politische Erklärung. Im Gegenteil: Ihre Konfrontation schafft einen Raum für Diskussion, Widerspruch und individuelle Interpretation.

Die Ausstellung versucht nicht zu bestimmen, wer heute das Recht hat, sich Demokrat zu nennen, und bietet dem Publikum kein fertiges politisches Koordinatensystem an. Sie stellt vielmehr eine unangenehmere Frage: Wie lässt sich die Verteidigung der Demokratie vom Streben nach Macht unterscheiden, wenn beide Seiten die Sprache von Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit verwenden?

Der Ort

Die Reformationskirche (REFO) ist ein Ort, an dem Glaube gelebt wird. Aus einer ehemals leerstehenden Kirche ist in den letzten Jahren durch das Engagement einer christlichen Gemeinschaft ein lebendiger Begegnungsort geworden. . Hier befindet sich die Kunst in einem Raum, der historisch mit Fragen des Gewissens, der Verantwortung, der Hoffnung und der Versöhnung verbunden ist. Die Kirchenarchitektur wird nicht zur Dekoration, sondern zu einem Teil der Ausstellung – zu einem Ort, an dem der Konflikt zwischen Glauben als Quelle menschlicher Würde und der Möglichkeit, religiöse Symbole zu einem Instrument der Macht zu machen, besonders deutlich werden kann. Der Reformations-Campus versteht sich mit seinen vielen unterschiedlichen Projekten als sicherer Ort gegen Menschenfeindlichkeit und Verdrängung zivilgesellschaftlicher Gruppen.

Die Refo Moabit ist Mitveranstalter der Ausstellung und bietet ein Begleitprogramm zur Ausstellung, die dem Charme der Diktatur den Spirit der Community gegenüberstellt.

Öffnungszeiten und Begleitprogramm

31.10. 18:00 Uhr Vernissage und ab 19:30 Uhr Halloween-Party

01.11. 12:00-18:00 Uhr

02.11. 14:00-20:00 Uhr

03.11. 14:00-18:30 Uhr

04.11. 20:00 Uhr Impuls und Diskussion: Endzeit-Faschismus & Apokalypse

09.11. 14:00-20:00 Uhr

10.11. 14:00-20:00 Uhr

11.11. 14:00-18:30 Uhr (mit Familienführungen)

11.11. 20:00 Uhr Tanzmeditation: Macht und Ohnmacht – Zwischen Kontrolle und Verantwortung

15.11. 14:00-20:00 Uhr

16.11. 14:00-20:00 Uhr

18.11. 20:00 Uhr LEGO Größenwahn – Erwachsene spielen mit 10.000 Teilen

25.11. 20:00 Uhr Buchvorstellung: „Gemeinsinn“ von Aleida & Jan Assmann

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